Samstagabend und Feierstimmung. Bekanntschaften, wildes getanze an einer Lesbenparty und ein morgenschläfchen an der Rente am Sonntagmorgen.
Eine Geschichte einer ganz obligaten Zürcher Partynacht.

Das waren mal wieder verrückte, nächtliche Stunden. Ein Samstagabend, der sich von einem gemütlichen Picknick an der Landiwiese, zu einer langen Ausgangsnacht wandelte.

Erst war die Rede ja nur, nach langer Zeit wiedervereint mit Freundinnen den sommerlichen Abend am See zu geniessen. Aber nach einigen Stunden, ein paar plastikbechern Wein und der Musik die vom Wollishofen Openair nebenan kam, beschlossen wir dann doch, unsere Pläne für den Abend noch etwas zu ändern. Nach einem Abstecher am Openair, wo die Stimmung ausgelassen und freudig war,zog es uns Richtung Hardbrücke.

„Komm es ist Samstagabend, lass ausgehen.“ Na klar, warum auch nicht?

Nach einem kurzen Halt im Happy Beck wollten wir gerade los, um irgendwo feiern zu gehen, als eine zierliche Afrikanerin mit hohen Schuhen auf uns zu kam und uns nach dem Weg zum Exil fragte. Wir beschlossen, gutgelaunt und offen wie wir waren, sie dorthin zu begleiten. Ohne irgendeinen Plan was lief, bezahlten wir unseren Eintritt und waren drin.

Drin, in einer Lesbenparty, was mir erst auf der Tanzfläche auffiel. Hm, okay, auch gut.

Wenigstens gab es ziemlich cool Musik und so tanzten wir befreit für ein Weilchen im Club. Unsere neugewonnene Begleitung, erzählte uns, dass sie Bisexuell sei, ihr Interesse etwa Zwanzig Prozent dem Männlichen Geschlecht zugeteilt war, und Achtzig dem Weiblichen.

Während sie einen Drink nach dem anderen schlürfte, erzählte sie uns ihre Geschichten. Aus ihrem Leben, über ihr Leben, wie und wann sie ihre Sexuelle Neigungen wahrgenommen hatte und wie sie damit umging.

Wir hörten ihr alle fesselnd zu und wie eine Professorin, erzählte und lehrte sie uns und wir blickten zu ihr auf. Sie zog uns in ihren Band, mit den immer wieder wiederholenden Sätzen; „Mach was du willst, macht was ihr in eurem Herzen fühlt und versucht nicht, irgendjemandem etwas beweisen zu wollen.“ Klar, ich kenne diese Sätze schon, weiß das dies wohl die Geheimformel zu leben ist, aber doch hat es jedes Mal wieder etwas Magisches an sich, wenn es dir jemand erneut sagt. Dich mit tiefen, weisen Blicken anschaut und will das du es verstehst und umsetzt.

Nach langen Gesprächen einigten wir uns, noch ein Haus weiter zu ziehen. Also machten wir uns um etwa vier Uhr auf, um den Morgen im Hive zu begrüßen. Noch mit viel zu viel Energie geladen, Tanzten wir zu den hämmernden Beats und hielten bis die Sonne durch die farbigen Fensterscheiben schien, und der Prime Tower sich gelb erwärmt spiegelte durch.

Es war Zeit für Frühstück, irgendwo hatten wir unsere Afrikanerin verloren und suchten das ganze Haus durch. Nirgends. Sie war nicht aufzufinden. Wir rieben uns müde die Augen und fragten uns beinahe schon, ob sie wohl einfach nur eine Illusion war, die uns über das Leben lehrte und mit uns durch die Nacht reiste. Vermutlich. War unser wortkarger Entschluss und machten uns auf den Weg. Wir schleppten unsere müden Glieder durch die morgendlichen Straßen Zürichs und bis an den Hauptbahnhof, wo wir uns etwas zu Essen kauften.Die Morgenluft war schon so schön warm, wir wollten einfach nur in die Sonne liegen.

An der Renten waren die schwarzen Müllsäcke mit all dem Abfall des letzten Abends quer über die ganze Wiese verteilt und ich fühlte mich genau so, wie einer dieser Säcke. Schwer, kaputt und unbrauchbar. Wir legten uns an die Sonne und verarbeiteten die letzten Stunden, Eindrücke und Erlebnisse.  

Ja das war mal wieder eine ziemlich verrückte Nacht. Die jeder anschein von Müdigkeit und Kopfschmerzen wert war.