Vor einigen Tagen erlebte ich die gehässigste Zugfahr meiner bisherigen Laufbahn.
Einen Tag später wurde ich glücklicherweise mit der Antithese verwöhnt. Warum nicht immer so freundlich?
Hier lest ihr die ganze Geschichte dazu.

Ein grauer Tag wird noch dunkler, wenn man sich einen Sitzplatz im Bus oder Tram sucht und in die müden, gelangweilten Gesichter schaut, die soviel Kummer und Misstrauen ausstrahlen.

„ Ich möchte nie so werden.“ Habe ich mich letztlich bei meinem Vater beschwert, als er mich vom Bahnhof abholte. „ Ich möchte nicht ein Gesicht wie drei Tage Regenwetter ziehen und mich lautstark, durch den ganzen Zug über die verspäteten Abfahrtszeiten beschweren. Oder laut ausrufen, wenn der Zug mitten in einem Tunnel halt macht, weil er einen anderen Zug abwarten muss. Klar, am Ende des Tages wollen wir alle gerne irgendwann Zuhause ankommen und ins Bett fallen, trotzdem kann man doch so oder so nichts an der Situation ändern und kann es doch einfach hinnehmen.“ Er zog beiläufig an seiner Zigarette und gab mir zu spüren, dass ich mich anscheinend genauso aufregte, wie die Leute in der verspäteten S-Bahn.

Ich versuchte mich etwas zu beruhigen und meinen Ärger zu überdenken. Versuchte mich nicht von den gehässigen Gesichtern und den unfreundlichen Leuten, denen ich an diesem Tag im Zug begegnet war, bedrücken zu lassen.

Einen Tag später saß ich im Tram. Ich fuhr mal wieder zum Zeitvertreib durch die verregnete Stadt, nachdem ich schon eine Stunde im Café gesessen hatte, auf einem unbequemen holzigen Bistrotstuhl.

Meine zwei besten Freundinnen hatten etwas Schwierigkeiten mit dem geplanten Zeit-Mangement, dass eigentlich besagte, mich gegen halb neun von der Arbeit abzuholen. Jedoch schien es als ob ich die einzige war, die davon bescheid wusste, also kamen sie später und ich fuhr solange Tram.

 Als ich an der Bushaltestelle wartete, sprach mich ein mitte vierzigjähriger Mann an, der mich nach der Abfahrtszeit des Buses fragte. Ich informierte ihn mit „ eigentlich jetzt”, da kam der Bus auch schon angefahren.Ich suchte mir einen Platz und der Mann setzte sich lächelnd neben mich.

„ Wissen sie, ich bin ein typisches Landei, komme aus dem Aargau und bin wirklich sehr selten hier in der Stadt. Ich mag es lieber im Grünen.“ Ich schmunzelte und erzählte ihm, dass ich auch nicht aus der Stadt bin. Wir kamen ins Gespräch und redeten über das Leben auf dem Lande,kamen plötzlich auf Yoga zu sprechen, da er selbst Kurse gab und sein Können in Asien erlernt hatte.

Er erzählte mir, dass er insgesamt vierzehn Monate in Indien lebte und für diese Reise, nur unfassbare Sechshundert Franken ausgegeben hatte. Ich konnte es nicht glauben und quetschte ihn über seine Reiseerfahrungen aus. Mir kam die Fahrt, bis zur Endstation so kurz wie noch nie vor. Wir stiegen aus und verabschiedeten uns. Fast schon etwas schwermütig, lies ich diese unbekannte, aber sehr freundliche Person weiterziehen und machte mich auf ins nächste Tram. 

Ich setzte mich in ein freies Vierer Abteil und sah vertieft den Regentropfen an der Fensterscheibe zu, dass ich kaum bemerkte, wie sich ein junger, gutaussehender Typ zu mir setzte.

Wir nickten uns zur Begrüßung kurz zu, als mein Handy klingelte. „ Wir sind jetzt am Bahnhof!“ klang es aus meinem IPhone. „ Endlich! Ah ich bin auch bald dort, sieben Minuten, okay? Gott ich bin beinah zwei Stunden Tram gefahren, um mir die Zeit zu vertreiben und bin euch sogar noch in eure Richtung gefahren, in der Hoffnung wir erwischen das selbe Tram.“ Ich hängte schmunzelnd auf und der Typ gegenüber Lachte.

„Du kommst heute also auch noch ans Ziel?“ Fragte er. „ Ja endlich, wird langsam Zeit.“ Meinte ich. Er stieg an der folgenden Station später aus und wünschte mir lächelnd einen schönen Abend.

Nach zwei Station stieg ich am Bahnhofsplatz aus, und fühlte mich selten so entspannt. Nach dem gestrigen Zug Erlebnis, war dies der Beweis dafür, dass es auch anders geht. Viel schöner und unterhaltsamer. Warum kann es nicht immer so sein, dass man mit seinem Gegenüber ein Gespräch beginnt, freundlich lächelt oder wenigstens Gesundheit sagt, wenn jemand niest? Oder besser, wieso können das nicht alle Leute ?